Kreativität ist manchmal schwer auszuhalten

Bei „Kreativität“ denkt man ja oft nur an den Zustand von Flow, an fließende, überschäumende Produktivität, an Aha-Erlebnisse und Heureka.

Dabei wird vergessen, dass dieser kreativen Phase zwei andere vorausgehen MÜSSEN.

Die erste Phase ist die der Vorbereitung, in der Wissen und Können erworben werden. Da arbeitet man ganz bewusst am Thema. Fähigkeiten, Informationen, auch Unwichtiges wird aufgenommen.

Danach folgt die Phase der Inkubation. Nicht umsonst erinnert das an eine Krankheit: Man brütet etwas aus. Und schleppt etwas mit sich herum. Diese Phase wird oft als belastend und kräftezehrend erlebt, als Stillstand oder gar Rückschritt. Kaum auszuhalten!

Und doch ist sie notwendige Voraussetzung, um dann diesen manchmal fast magischen Moment der Einsicht, der „Illumination“ zu erleben, wenn Puzzleteile ineinander fallen, sich Lösungen zeigen.

Wenn ich Menschen bei ihrer persönlichen Entwicklung und Veränderung begleite, beobachte ich oft, dass sie ähnliche Prozesse durchlaufen. Nach der anfänglichen Euphorie, in der sie alle Selbsterkenntnisse und theoretisches Wissen aufsaugen wie ein Schwamm, folgt oft Frustration. Das Gefühl, gar nicht vorwärts zu kommen. Oder schon so weit gekommen zu sein, aber immer noch keine Klarheit, keinen Durchbruch zu erleben. Dann sind sie mitten in der Inkubation!

Und dann ist es die große Kunst, die es zu üben gilt: Ruhe bewahren, Druck rausnehmen, loslassen. Tief durchatmen und vertrauen. Damit das Hirn in den Ruhemodus kommen kann, den „Default“-Modus, und ins kombinatorische Denken kommen kann.

Kreativität ist ein Wechselspiel zwischen konvergent-fokussiertem und divergent-assoziativem Denken. Wenn man nicht aktiv analytisch denkt, sondern stattdessen ganz bewusst eine Pause macht, den Wolken zusieht oder den kleinen Wellen eines Sees, wenn man ein Bild malt oder strickt, wenn man in der Natur spazieren geht oder wenn man duscht: Dann beginnen assoziative Prozesse, das Wissen aus der Vorbereitungsphase zu nutzen und neu zu kombinieren. Dann werden bisher unverbundene Netzwerke neu miteinander verknüpft – und innovative Lösungen entstehen.

Heureka!

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